Labordiagnostik und adjuvante Therapie­maßnahmen bei Psoriasis

Psoriasis (Schuppenflechte) am Ellenbogen eines Betroffenen

Autor: Dr. rer. nat. Wolfgang Bayer
Medizinisch verantwortlich: Prof. Dr. med. MSc. Matthias Willmann

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Psoriasis ist weit mehr als eine Hauterkrankung. Entzündungsaktivität, Mikronährstoffstatus, Fettsäureprofil und Darm-Haut-Achse können wichtige Hinweise für Diagnostik, Verlauf und begleitende Therapie liefern. Die Fachinformation zeigt, welche Laborparameter bei Psoriasis besonders relevant sind, wie sich Krankheitsaktivität besser erfassen lässt und welche adjuvanten Maßnahmen wissenschaftlich diskutiert werden. Ein kompakter Überblick für alle, die Psoriasis differenzierter verstehen und diagnostisch gezielter begleiten möchten. Entsprechende Anforderungsprofile finden sich auf unserem neuen Auftragsschein für evidenzbasierte Laborprofile.

Einleitung

Psoriasis (Schuppenflechte) ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung, die in Schüben verläuft und auch längere symptomfreie Phasen haben kann. Sie gilt als Autoimmunerkrankung, die genetisch bedingt ist und durch Faktoren wie Infekte, Verletzungen, Stress, Umweltbelastungen oder Medikamente aktiviert werden kann. Typische Symptome sind rote, schuppende Hautstellen – vor allem an Kopfhaut, Ellenbogen, Knien und Nägeln – sowie Gelenkbeschwerden (Psoriasis-Arthritis). In Deutschland sind etwa 2 Millionen Menschen betroffen, und die Diagnose stützt sich überwiegend auf das klinische Bild. Bei Gelenkbeteiligung kommen auch bildgebende Verfahren zum Einsatz (Nast et al., 2021).

Diese Übersicht stellt Laborverfahren vor, die helfen, den Verlauf und die Prognose der Erkrankung einzuschätzen. Darüber hinaus werden zusätzliche Behandlungsansätze diskutiert, etwa durch Mikronährstoff-Ergänzungen oder eine gezielte Veränderung der Darmflora.

Laborbiomarker von therapeutischer Bedeutung bei der Psoriasis

Diese Biomarker geben angesichts der wissenschaftlichen Evidenz Hinweise auf eine geeignete Supplementierung mit Mikronährstoffen zur Verbesserung des Krankheitsbilds.

Spurenelemente

  • Eisen: Ein Mangel kommt bei entzündlichen Hauterkrankungen vor, wobei niedrige Werte nicht immer einen Mangel, sondern auch eine entzündliche Reaktion widerspiegeln können. Eine Supplementierung sollte nur nach umfassender Diagnostik erfolgen (Peroni et al., 2023; Podgorska et al., 2024; Jishna and Dominic, 2022).
  • Kupfer: Erhöhte Kupferwerte spiegeln den Schweregrad der Psoriasis wider (Aggarwal et al., 2021; Lei et al., 2019).
  • Zink: Wichtig für die Haut, wird bei Psoriasis oft in niedriger Konzentration gefunden, was auch therapeutisch genutzt werden könnte (Zuo et al., 2023; Lei et al., 2019; Al Abadie et al., 2022).
  • Selen: Mit schützender Wirkung gegen oxidativen Stress wird bei Psoriasis häufig ein niedrigerer Selen-Spiegel festgestellt (Naziroglu et al., 2012; Ding et al., 2024; Lv et al., 2020).

Vitamine und Antioxidantien

Chronische Entzündungen führen zu oxidativem Stress. Vitamine wie A, C und E sowie sekundäre Pflanzenstoffe (Carotinoide, Flavonoide) können diesen entgegenwirken. So sind beispielsweise Vitamin A und E bei Psoriasis oft erniedrigt, und ein Vitamin-D-Mangel wird mit schwereren Verläufen assoziiert (Bazid et al., 2023; Liu et al., 2021b; Gamonal et al., 2022; Pokharel et al., 2022).

Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) wirken entzündungshemmend, während die Omega-6-Fettsäure Arachidon-säure (AA) Entzündungen fördern kann. Untersuchungen zeigen, dass Patienten mit schwerer Psoriasis weniger Omega-3 und mehr gesättigte Fettsäuren aufweisen. Daher wird oft eine tägliche Zufuhr von 1–2 g Omega-3 empfohlen (Marchlewicz et al., 2024; Millsop et al., 2014; Garbicz et al., 2021).

Darm-Mikrobiom und Probiotika

Bei entzündlichen Hauterkrankungen wie Psoriasis zeigt sich oft eine durchlässigere Darmwand („leaky gut“) und eine veränderte, weniger vielfältige Bakterien­zusammen­setzung. Diese Veränderungen deuten auf eine gestörte Darm-Haut-Achse hin, die von Faktoren wie Ernährung, Umwelt­einflüssen, Prä- und Probiotika beeinflusst wird (Gao et al., 2023, Mahmud et al., 2022). Der Darm spielt als größtes Immun­organ eine wichtige Rolle bei Psoriasis. Eine veränderte Zusammen­setzung der Darmbakterien („Darm-Haut-Achse“) kann zu einer erhöhten Darmdurch­lässigkeit und damit zu vermehrten Entzündungs­reaktionen führen. Einige Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Probiotika (z. B. Kombinationen aus Lactobacillus- und Bifidobacterium-Stämmen) den Schwere­grad der Psoriasis verringern können (Gao et al., 2023; Mahmud et al., 2022; Stec et al., 2023; Chen et al., 2018; Huang et al., 2018; Moludi et al., 2021). Ein Darmmikrobiom-Test kann helfen, das von Darm­bakterien ausgehende Risiko für ein Leaky Gut zu messen und die am besten geeignete Therapie herauszufinden.

Laborbiomarker zur Aktivitätsmessung

Die Messung von Aktivitätsmarkern hilft, den Entzündungsgrad bei Hauterkrankungen einzuschätzen – sei es zur Erstdiagnose, Verlaufskontrolle oder Therapieüberwachung.

hsCRP

Das C-reaktive Protein (CRP) wird in der Leber gebildet, wenn Entzündungsbotenstoffe wie IL-6 freigesetzt werden. Ein erhöhter hsCRP-Wert hilft, Entzündungen und den Erfolg von Therapien zu überwachen (Karas et al., 2022; Sener et al., 2023; Tan et al., 2023).

Adiponektin und LDH

Weitere Marker wie LDH (Laktatdehydrogenase, ein Enzym, das in verschiedenen Geweben vorkommt) und Adiponektin (ein entzündungshemmendes Hormon aus dem Fettgewebe) liefern zusätzliche Hinweise. Klinische Verbesserungen bei Patienten, die mit Apremilast behandelt werden, gehen oft mit verbesserten LDH-Werten einher (Koguchi-Yoshioka et al., 2021). Bei Psoriasis ist oft auch ein niedrigerer Adiponektinspiegel zu beobachten, was auf eine veränderte Fettgewebsaktivität hindeutet (Kyriaku et al., 2017; Baran et al., 2015; Yan et al., 2022).

TH1, TH2 und TH17 Immunbalance

Die Immunantwort bei Psoriasis wird durch verschiedene T-Helferzellen gesteuert:

  • TH1-Zellen produzieren Zytokine wie IFN-γ und TNF-ß und fördern entzündliche Prozesse.
  • TH2-Zellen unterstützen unter anderem die Bildung von IgE und wirken meist entzündungshemmend.
  • TH17-Zellen (Produktion von IL-17) fördern die Aktivierung von Entzündungszellen und spielen bei Autoimmunerkrankungen eine zentrale Rolle.

Bei Psoriasis dominiert der TH1-Weg mit gleichzeitig erhöhter IL-17-Produktion. Therapeutische Maßnahmen, etwa mit Methotrexat und Mikronährstoffen, können das Gleichgewicht in Richtung TH2 verschieben und so den Hautzustand verbessern (Singh et al., 2021; Yousefzadeh et al., 2017; Liu et al., 2021a; Senner et al., 2020).

Diagnostisches Vorgehen bei der Psoriasis

Abbildung 1 zeigt ein mögliches diagnostisches Vorgehen. Dabei werden zunächst die therapeutischen Möglichkeiten mit Mikronährstoffen untersucht, indem die Blutwerte von Vitamin D, Mineralstoffen und Fettsäuren bestimmt werden. Vor und während der Therapie kann der Aktivitätsgrad der Erkrankung durch Messung von hsCRP, LDH, Adiponektin und der TH1/TH2/TH17 Immunbalance bestimmt werden. Dies kann der Therapiekontrolle dienen. Insbesondere bei hoher Krankheitsaktivität kann auch eine Untersuchung des Darmmikrobioms mit Leaky-Gut-Analyse hilfreich sein, um die Ursache der erhöhten Entzündungsbereitschaft zu erkennen und zu therapieren. Entsprechende Profile können bei Labor Dr. Bayer angefordert werden.

Grafik: Diagnostisches Vorgehen bei der Psoriasis (Schuppenflechte)

Abbildung 1: Diagnostisches Vorgehen bei der Psoriasis

 

Literatur

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